Marco Kulwicki macht eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger

Nix für Egoisten

Marco Kulwicki steckt mitten in der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger am Prosper-Hospital in Recklinghausen. Stationen wie die Chirurgie, Geriatrie, Kardiologie, Innere Medizin und den ambulanten Pflegedienst hat er in den vergangenen zwei Jahren bereits kennengelernt. Momentan arbeitet er für acht Wochen im Hospiz zum heiligen Franziskus. 

Mit seiner Entscheidung, nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zu machen, ist der 20-Jährige bestens zufrieden. „Anatomie interessierte mich immer schon. Und diesen Weg zu gehen, war für mich die absolut richtige Entscheidung. Denn in der Ausbildung lerne ich viel praktisches“, berichtet er. Und bereits nach zwei Jahren ist Kulwicki überzeugt: „Die Ausbildung hat mich reifer gemacht. Ich bin ein anderer Mensch geworden, denn ich sehe und lerne viel. Es gibt Schicksale und Patienten, die man nie vergisst“, gibt er zu. Aber ein „Danke“ und die Genesung von Patienten seien für ihn Motivation. „Dann sehe ich, dass die Arbeit etwas gebracht hat.“

Welche Talente muss man mitbringen, um diese Ausbildung zu absolvieren? „Der Beruf ist für jeden geeignet, der engen Kontakt mit Menschen mag. Empathie ist besonders wichtig. Aber man muss auch emotional stabil und selbstkritisch sein. Und muss man lernen wollen“, nennt er einige Voraussetzungen.

Bei einem kirchlichen Arbeitgeber tätig zu sein, schätzt Kulwicki. „Der wirtschaftliche Aspekt steht im Miteinander nicht an erster Stelle“, zieht er den Vergleich zu anderen Branchen. Die Nächstenliebe sei für ihn ohnehin das A und O seiner Arbeit als Gesundheits- und Krankenpfleger. „Wer egoistisch ist, für den ist dies der falsche Beruf“, betont er. Besonders während seiner Zeit im Hospiz schätzt er das Miteinander im Team. „Wir treffen uns regelmäßig und nehmen uns die Zeit, über die Patienten zu sprechen“, würdigt er den Austausch, den er sich auch stärker im Krankenhausalltag wünscht. Kulwicki bedauert das geringe gesellschaftliche Ansehen von Pflegenden. „Wir machen deutlich mehr als nur Patienten zu waschen“, räumt er lächelnd mit einem Vorurteil auf.

Michaela Kiepe